Leitlinien

Das OpenBib-Projekt orientiert sich an dem Strategiepapier der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) "Aktuelle Anforderungen der wissenschaftlichen Informationsversorgung, Empfehlungen des Ausschusses für Wissenschaftliche Bibliotheken und Informationssysteme und des Unterausschusses für Informationsmanagement" aus dem März 2004. In diesem Strategiepapier werden insbesondere Forderungen für die Softwaresysteme an den Bibliotheken und deren Interoperabilität aufgestellt. Die dort genannten Forderungen sind unter anderem:

  • ein klarer struktureller Aufbau auf der Basis eines Modulkonzeptes bei relativer Selbständigkeit einzelner Komponenten,
  • definierte, offen gelegte Schnittstellen, die internationale Standards im vollen Umfang berücksichtigen,
  • die Möglichkeit, Module anderer Systeme, wie z.B. Abrechnungsroutinen, Suchmaschine o.Ä., zu integrieren,

Unter Konsequenzen lautet es in diesem Papier u.a.: "Eine besondere Bedeutung kommt dabei open-source-Entwicklungen zu, die einseitige Firmenbindungen vermeiden."

Ziele des Projektes

Mit dem OpenBib-Projekt wird das Ziel verfolgt, ein Open Source Recherche-Portal zu entwickeln, zu erweitern und zur freien Nutzung bereitzustellen. Die Portalsoftware soll so offen und modular sein, dass sie mit wenig Aufwand installiert, an eigene Anforderungen angepasst, eingesetzt und erweitert werden kann.

Das Portal soll den gemeinsamen Zugriff auf Daten verschiedener Quellen, insbesondere verschiedener Bibliothekssysteme oder OAI-Repositories wie z.B. Hochschulschriftenserver ermöglichen. Um die Quell-Systeme nicht durch diese Rechercheanfragen zu belasten und so die reguläre Arbeit dort zu behindern, soll das Portal einen (nächtlichen) Abzug der Daten selbst verwalten und für die Recherchen verwenden. Voraussetzung hierfür ist, den physikalischen Zugriff auf diese Daten zu besitzen. Sollte dies nicht möglich sein, so soll das System unter Abwägung der oben angesprochenen negativen Auswirkungen auch selbständig um Online-Recherchemodule für jene Datenquellen erweiterbar sein.

Neben der simultanen Recherche in verschiedenen Datenquellen soll dem Benutzer eine personalisierte Arbeits-Plattform bereitgestellt werden, die er nach eigenen Vorstellungen im Rahmen der angebotenen Funktionen organisieren kann. Dazu gehört z.B. die Organisation eigener Suchprofile, aber auch eine Anbindung an das jeweilige Bibliothekssystem, um über dieses alle ausleihrelevanten Funktionen ausführen und z.B. die Daten seines Benutzerkontos einsehen zu können.

Externe Dienste, wie z.B. die Funktionen der Digitalen Bibliothek NRW (DigiBib), sollen mit Hilfe der Personalisierungsfunktionalität derart eingebunden werden, dass ohne eine weitere Authentifizierung dorthin gesprungen werden kann.

Ein Grundprinzip des Portals ist die größtmögliche Integration unter Wahrungen der Individualität aller Einzelkomponenten.

Alle Projektziele werden mit der aktuellen Version der OpenBib-Software im CVS erreicht.

Kooperativer Charakter und Open Source als sinnvolles Modell

Die Möglichkeit der kooperativen Nutzung und Weiterentwicklung von OpenBib durch seinen Status als Open Source-Software stellt einen zentralen Faktor dar - speziell im Bereich der öffentlichen Hand. Im Spannungsfeld schwindender Geldmittel und hochpreisiger oder unausgegorener Standardsoftware-Produkte, bieten sich mit der Wahl von Open Source diverse Vorteile:

  • Die Nutzung ist mit keinerlei Lizenzkosten verbunden.
  • Die Software ist komplett an die eigenen Bedürfnisse individuell anpassbar.
  • Durch die Mitarbeit Vieler ist ein Software-Produkt möglich, dass für einen allein 'zu groß' gewesen wäre.
  • Die Konfigurations- und Programmierarbeit, die geleistet werden muss, um ein kommerzielles Standardsoftware-Produkt an die eigenen Anforderungen und Gegebenheiten anzupassen, sollte sinnvoller in eine Open Source Software fließen, die jeder frei verwenden kann, als dass das eh schon teuer erkaufte Produkt durch die notwendige eigene Arbeit noch verteuert wird und man letztlich effektiv als unbezahlter Helfer des entsprechenden Software-Anbieters fungiert.
  • Bei etwaigen Fehlern hat man selbst alle Möglichkeiten an der Hand, diese selbständig zu beheben und ist nicht auf einen kommerziellen Software-Anbieter angewiesen, bei dem die Fehlerbehebung im schlimmsten Fall entweder Monate oder Jahre dauert bzw. einzelne Fehler schlicht ignoriert werden. Gleiches gilt für die Umsetzung neuer Funktionalitäten.
  • Open Source Software ist zukunftssicher. Selbst wenn die Weiterentwicklung oder Fehlerbehebung durch andere stockt, kann jeder dies - nach seinen Möglichkeiten - selbst übernehmen oder extern beauftragen. Wenn hingegen ein Produkt eines Software-Anbieters oder gleich der ganze Anbieter stirbt, so hat man sich mit dem Kauf des entsprechenden kommerziellen Produktes in eine Sackgasse manövriert und sich jeglicher Zukunft (bzgl. des Produktes) beraubt.

Um die Funktionalität des Portals in alle Richtungen kooperativ erweitern zu können, muß einerseits eine Infrastruktur für die Entwicklung der Software bereitstehen, andererseits durch eine geeignete Open Source-Lizenz aber auch die Rechte und Pflichten bei der Mitarbeit oder Nutzung definiert werden.

OpenBib auf GitHub und Open HUB

Die OpenBib-Software verwendet das verteilte Versionskontrollsystem git und nutzt dafür die Infrastruktur von github.com. GitHub ist de facto die von den meisten Open Source Projekten genutzte Plattform zur Ablage Ihrer Projektdaten. Für weitergehende Code-Analysen nutzt OpenBib den Online-Dienst Open HUB. Open HUB bedient sich der öffentlichen OpenBib-Daten von GitHub und führt vielfältige Analysen der aus, wie z.B. den Gesamt-Umfang der Programme (Codezeilen, Leerzeilen, Kommentare), die Aufteilung in verschiedene Programmiersprachen bzw. Technologien (Perl, SQL, CSS, HTML) oder errechnet anhand von Standardmodellen den "Wert" des Programmcodes.

GPL als Lizenz der Wahl

Als Open Source-Lizenz wurde die GNU General Public Licence (GPL) in der Version 2 und höher gewählt. Damit ist zum einen die generelle Nutzung für alle möglich, andererseits wird aber auch gewährleistet, dass Änderungen oder Erweiterungen der Allgemeinheit und speziell dem Projekt wieder zugute kommen, da diese ebenso unter der GPL veröffentlicht werden müssen und so wieder in das Projekt zurückfließen ('Viraler' Charakter der GPL). Insbesondere wird durch diese Lizenz ausgeschlossen, dass sich Dritte der Software bemächtigen, sie erweitern und dann kommerziell als ClosedSource-Produkt vertreiben, ohne ihre eigenen Änderungen selbst wieder unter der GPL frei verfügbar zu machen. Auf den Punkt gebracht schützt die GPL (im Gegensatz zu anderen Open Source-Lizenzen, wie z.B. der BSD-Lizenz) damit effektiv gegen eine ungewollte kommerzielle Vereinnahmung der eigenen Arbeit durch andere.

Die GPL wird für alle Teile des OpenBib-Projektes schon seit seinen Ursprüngen als 'Freizeitprojekt' im Jahre 1997 verwendet, als sein Arbeitstitel noch 'Biblio' hieß und es unter diesem Namen frei verbreitet wurde. Damit wurde von Anfang an gewährleistet, dass die Software frei ist und für immer frei bleibt.